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Die geopolitischen Implikationen des Iran-Deals

Die wahren Gründe hinter Trumps Iran-Deal

Wie Trump seine Iran-Politik in einen Loyalitätstest für seine islamischen Verbündeten im Nahen Osten verwandelt, ist strategisch ausgesprochen clever.

Seit der islamischen Revolution im Iran im Jahr 1979 wünschen sich viele der sogenannten US-Verbündeten in direkter Nachbarschaft des Iran vor allem eines:

einen schwachen Iran.

Ein islamisches Regime, das keine ernsthafte Konkurrenz für sie darstellt. Spätestens nach den wahllosen Raketenangriffen der IRGC auf zahlreiche Nachbarländer wurde nun der Ruf nach einer Schwächung des Iran noch lauter.

Doch keines dieser Länder möchte, dass am Ende Israel als eigentlicher Gewinner aus dieser Krise hervorgeht. Deshalb ist Trumps Iran-Deal plötzlich zu einem Loyalitätstest für die muslimischen US-Verbündeten im Nahen Osten geworden.

Es geht längst nicht mehr nur um den Iran. Es geht um die Emirate, Saudi-Arabien, Qatar, Oman, die Türkei und Pakistan. Und es geht um die zukünftige Machtordnung in der Region.

Betrachtet man die Ereignisse der vergangenen Monate nüchtern und setzt die militärischen Operationen der USA und Israels gegen den Iran wie ein Puzzle zusammen, wird das politische Spiel dahinter sichtbar.

Plötzlich ergeben selbst die auf den ersten Blick widersprüchlichen und sich ständig ändernden Aussagen Donald Trumps nun einen Sinn. Wer sich auf Taten statt auf Worte konzentriert, erkennt schnell ein klares Muster.

Die USA greifen weiterhin iranische Ziele an, obwohl offiziell noch verhandelt wird und Waffenstillstand herrschen soll. Die militärische Ziele liegen offenbar bereits in Reichweite. Das wirkt chaotisch – ist es aber nicht.

Hier wird gleichzeitig Druck auf mehreren Ebenen aufgebaut:

  • Militärischer Druck auf das islamische Regime durch demonstrierte militärische Überlegenheit.
  • Diplomatischer Druck durch Vermittlerstaaten wie Pakistan und Qatar.
  • Politischer Druck auf die gesamte Region.

Trump verbindet geschickt einen möglichen „Iran-Deal“ mit der Ausweitung der Abraham-Abkommen und verfolgt damit ein deutlich größeres Ziel.

Im Grunde sagt er seinen Verbündeten:

„Wenn ihr Frieden mit dem Iran wollt, dann normalisiert eure Beziehungen zu Israel.“

 

Das soll möglichst sofort geschehen – entweder durch einen offiziellen Beitritt zu den Abraham-Abkommen oder zumindest durch eine klare öffentliche Ankündigung dazu.

Trump fordert damit indirekt ein Ende der jahrelangen Doppelspiele vieler Regionalmächte. Keine Intrigen mehr. Keine scheinheilige Doppelmoral. Kein gleichzeitiges Spiel auf beiden Seiten.

Und genau hier beginnt die eigentliche Falle.

Denn viele regionale Mächte profitierten jahrelang von einem geschwächten Iran – und tun es teilweise noch heute.

 

  • Saudi-Arabien möchte aus historischen und geopolitischen Gründen den Einfluss der Schiiten begrenzen. Die Houthi-Milizen bedrohen regelmäßig saudische Interessen, und die Öl-Anlagen von Saudi Aramco liegen in Reichweite iranischer Raketen.
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  • Qatar wiederum profitiert von seiner Rolle als Vermittler zwischen gegensätzlichen Lagern und gewinnt dadurch politischen Einfluss, den es früher vor allem mit Petrodollars erkaufte.
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  • Die Türkei strebt seit Jahren nach einer größeren ideologischen Führungsrolle in der muslimischen Welt.
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  • Pakistan wiederum möchte als militärischer und diplomatischer Akteur relevant bleiben.

 

Ein geschwächter Iran war für all diese Staaten durchaus vorteilhaft – aber eben nur bis zu einem gewissen Punkt.

 

Denn was passiert, wenn die Islamische Republik zu stark geschwächt wird oder sogar zusammenbricht? Wer füllt dann das Machtvakuum?

Und genau hier richtet sich der Blick vieler dieser Staaten auf Israel.

Noch beunruhigender wäre für sie ein echter Regime-Wechsel im Iran – allerdings nicht nach dem Muster von Irak, Libyen oder Afghanistan, sondern ein tatsächlich prowestlicher, demokratischer Iran, der offen mit den USA und Israel kooperiert.

 

Das ist der Teil, den kaum jemand offen ausspricht.

Für viele dieser Staaten bleibt deshalb selbst ein mächtiges Israel noch das kleinere Übel.

  • Sie wollten einen geschwächten Iran – aber kein stärkeres Israel.
  • Sie wollten Schutz vor iranischen Raketen durch die USA und Israels Verteidigungssysteme.
  • Aber sie wollten keinen von den USA und Israel dominierten Nahen Osten.

Und genau mit diesem Widerspruch konfrontiert Trump sie nun.

Im Kern sagt er:

 

„Wenn ihr wirklich Frieden wollt, dann beweist es. Erkennt Israel an. Schließt euch den Abraham-Abkommen an. Nehmt eine neue Haltung ein – und genießt dafür unseren Schutz.“

Doch plötzlich bekommen alle Probleme damit.

  • Qatar riskiert seine Rolle als Vermittler zwischen gegensätzlichen Machtblöcken.
  • Die Türkei müsste ihre anti-israelische Rhetorik abschwächen.
  • Für Saudi-Arabien wäre eine Normalisierung ohne ernsthafte Fortschritte in der Palästinafrage innenpolitisch explosiv.
  • Für Pakistan wäre eine Anerkennung Israels nahezu revolutionär, da die Ablehnung Israels jahrzehntelang Teil der nationalen Identität war.

Sagt Pakistan „Ja“, drohen innenpolitische Spannungen. Sagt es „Nein“, entlarvt es sich als Staat, der nicht bereit ist, Teil der neuen Friedensordnung Washingtons zu werden.

 

Genau deshalb ist dieser Momentum geopolitisch so bedeutend. Es geht nicht nur um Waffenstillstandsverhandlungen mit den Überresten der islamischen Regierung im Iran. Es ist ein geopolitischer Sortiermechanismus.

Jeder regionale Akteur wird gezwungen, offenzulegen, was er wirklich will.

 

Wollt ihr Frieden? Oder wollt ihr lediglich Einfluss nach einem möglichen Fall des Iran?

Wollt ihr Stabilität? Oder wollt ihr nur verhindern, dass Israel als strategischer Gewinner hervorgeht?

 

Das ideologische Grundnarrativ des Mullah-Regimes ist seit 47 Jahren bleibt unverändert:

 

„Death to America. Death to Israel.“

 

Diese Parolen stehen symbolisch für die Ablehnung westlicher Lebensweise. Israel dient dabei als greifbarer Stellvertreter der freien westlichen Welt und soll aus Sicht des Regimes von der Landkarte verschwinden.

Doch wenn der Iran diese Position irgendwann aufgibt und die umliegenden Staaten trotzdem weiterhin eine Normalisierung mit Israel ablehnen, dann entsteht eine wesentlich größere Frage:

War die Islamische Republik wirklich das einzige Problem?

Oder war sie lediglich die lauteste Ausprägung einer viel tiefer verwurzelten regionalen Ablehnung Israels?

Genau das ist die eigentliche Herausforderung. Denn was kommt nach der Islamischen Republik?

Wie soll ohne einen prowestlichen Iran langfristige Stabilität in einer Region voller ideologischer und extremistischer Spannungen entstehen?

Die grundlegende Ablehnung Israels bleibt das zentrale Problem.

Die Gespräche in Qatar könnten deshalb – je nach Ausgang – auch zu einer strategischen Ausstiegsrampe für die USA werden.

Die Abraham-Abkommen sind letztlich der eigentliche Loyalitätstest.

Dabei wird nun auch deutlich, dass jedes Land, das dachte, diese Krise würde einfach ohne einen echten Verbündeten aus tiefstem Überzeugung und Kultur aus dem Herzen des iranischen Volkes bewältigen zu können,  jetzt eines besseren belehrt wird. 

Doch die USA haben offensichtlich nicht vor wie in Iraq und Afghanestan, „boots on the ground“ im Iran anzuwenden.

Deshalb lautet die entscheidende Frage inzwischen nicht mehr Wird das Regime einen Vertrag unterschreiben?

Die eigentliche Frage lautet:

Wer ist bereit, jahrzehntelange ideologische Innenpolitik zu riskieren und Teil einer neuen regionalen Ordnung zu werden? Und wer hat nur so getan, als wolle er Frieden?

Der Iran ist heute das Schlachtfeld. Doch der eigentliche Kampf dreht sich längst darum, wer nach einem möglichen Fall der Mullahs die Machtverhältnisse im Nahen Osten bestimmen und davon profitieren wird.

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